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Aktualisierung des Climate Progress Dashboard: EU-Reformen führen zu Senkung des globalen Temperaturanstiegs

Höhere CO2-Preise in Europa haben dazu beigetragen, das erwartete Tempo der Erderwärmung zu verlangsamen, doch es liegt noch ein langer Weg vor uns, wie Berechnungen des Climate Progress Dashboard nahelegen.

15.05.2018

Sustainable Investment Team

Unsere jüngste Analyse der Fortschritte auf dem Weg zur Erreichung der langfristigen Klimaschutzziele zeigt eine geringfügige Bewegung in die richtige Richtung, die vornehmlich auf den steigenden CO2-Preisen beruht. Es ist allerdings ein wesentlich umfassenderer Wandel erforderlich, um auch nur in die Nähe der Verpflichtungen zu kommen, auf die sich führende Politiker vor zwei Jahren in Paris festgelegt haben.

Wir haben das Climate Progress Dashboard entwickelt, um das Tempo und den Umfang des Wandels über eine große Bandbreite an Parametern hinweg zu verfolgen, die sich sämtlich verbessern müssen, um den langfristigen Temperaturanstieg zu begrenzen. Der Klimawandel stellt Anleger vor zwei Fragen:

  1. Welche messbaren Veränderungen sind durch Politik, durch die Nutzung sauberer Technologie oder bei der Energieerzeugung usw. voraussichtlich zu erwarten?
  2. Wie würden sich diese Änderungen auf die Rentabilität und den Wert von Unternehmen und Portfolios auswirken?

Das Climate Progress Dashboard soll helfen, die erste dieser Fragen zu beantworten, indem es die unterschiedlichen Signale und Datenpunkte, die mehr Verwirrung stiften können, als sie zur Klärung beitragen, auf konsistente Weise zusammenführt. 

Unsere neueste vierteljährliche Aktualisierung zeigt eine geringfügige allgemeine Verbesserung. Der durchschnittliche Temperaturanstieg, den die verschiedenen von uns untersuchten Indikatoren implizieren, hat sich von 4,1 °C auf 4,0 °C verringert. Praktisch gesehen ergibt sich der Unterschied aus einem Rundungsfehler im System der erforderlichen Änderungen. Allerdings handelt es sich dabei zumindest um eine Abrundung statt um eine weitere Entfernung von der Sicherheitsgrenze bei 2 °C. 

Bei zwei Elementen des Dashboards war im ersten Quartal eine spürbare Veränderung zu beobachten. Zum einen hat die Besorgnis der Öffentlichkeit in Bezug auf den Klimawandel nachgelassen, insbesondere in den USA. Zum anderen sind die CO2-Preise in Europa in den vergangenen Monaten stark gestiegen, obwohl sie noch weit von Niveaus entfernt sind, die hoch genug sind, um einen Wandel in dem erforderlichen Ausmaß herbeizuführen.

Besorgnis der Öffentlichkeit geht in den USA zurück

Unsere Analyse bezieht nationale Erhebungen ein, die die Besorgnis der Öffentlichkeit in den Ländern mit den höchsten Emissionen erfassen. Ende März veröffentlichte Gallup eine Ausgabe1 seiner Umfrage zu den Einstellungen in den USA, die einen leichten Rückgang der Besorgnis ergab. 63 % der erwachsenen Amerikaner äußerten „sehr große“ oder „große“ Besorgnis in Bezug auf den Klimawandel. Dies bedeutet eine Verringerung gegenüber 66 % im vergangenen Jahr und eine Umkehr hinsichtlich der in allen drei Vorjahren beobachteten Zunahme der Besorgnis.

Recherchen im Internet zum Thema „Klimawandel“ liegen vor „Terrorismus“, gehen jedoch im Vergleich zu Höchstwerten weiter zurück

Quelle: Google Trends, Schroders.

Die Schlussfolgerungen deuten auf ein fallendes öffentliches Interesse an dem Thema hin. In der Abbildung oben sind die Google-Suchen nach dem Begriff „Klimawandel“ im Vergleich zu den Suchen nach „Terrorismus“ dargestellt. Das Interesse an dem Thema ist auf die Hälfte der Höchstwerte von vor 18 Monaten gefallen.

Es sind keine offensichtlichen Katalysatoren in Sicht, die das nachlassende Interesse wieder entfachen würden. Vor dem Hintergrund, dass die sozialen Einstellungen eine wichtige Triebkraft darstellen, was politische Prioritäten und das Konsumentenverhalten betrifft, verheißt dieser Trend nichts Gutes für konzertierte Maßnahmen und ein verstärktes politisches Engagement.

Anstieg der CO2-Preise in Europa

Andererseits sind die CO2-Preise u. a. aufgrund von Reformen der Emissionszertifikate der Europäischen Union, die im vergangenen Herbst vereinbart wurden, in den vergangenen Monaten stark gestiegen.

Kohlenstoffpreise EU-EHS

Quelle: ICE, Schroders.

Bis Ende März stiegen die Emissionshandelspreise zum ersten Mal seit 2010 auf über 15 US-Dollar/Tonne (12,3 Euro/t). Der Anstieg steht im scharfen Kontrast zu den USA, wo die Preise im Rahmen des größten CO2-Emissionshandelsprogramms, der Regional Greenhouse Gas Initiative (RGGI), konstant bei unter 4 US-Dollar/Tonne liegen.

Die CO2-Preise sind ein zentrales Element der einzelstaatlichen politischen Maßnahmen auf der ganzen Welt, und dies dürfte sich voraussichtlich nicht ändern. Unseren Schätzungen zufolge2 müssen die Preise auf ungefähr 100 US-Dollar/Tonne steigen, um Anreize für Emissionsreduktionen in einem Ausmaß zu bewirken, das ausreicht, um den Temperaturanstieg auf 2 °C zu begrenzen. Auf dieser Grundlage ist ein noch wesentlich höherer Anstieg der CO2-Preise erforderlich, um die Klimaziele im Zuge von disruptiven Umwälzungen zu erfüllen.

Fazit: Kleine Schritte in die richtige Richtung

Im vergangenen Quartal war erstmals ein Rückgang in Bezug auf den durch das Climate Progress Dashboard implizierten Temperaturanstieg zu verzeichnen. Allerdings ist die Verbesserung im Vergleich zu den Reduktionen, die noch erforderlich sind, um den Anstieg auf ein sicheres Niveau zu begrenzen, eher gering.

Die unten stehende Abbildung stellt die Entwicklung einiger der genannten Faktoren dar. 


1 http://news.gallup.com/poll/231530/global-warming-concern-steady-despite-partisanshifts.aspx?g_source=link_NEWSV9&g_medium=TOPIC&g_campaign=item_&g_content=Global[(2520Warming)[(20was) was not found]20not%20found]2520Concern[(2520Steady)[(20was) was not found]20not%20found]2520Despite[(2520Some)[(20was) was not found]20not%20found]2520Partisan%2520Shifts

2 http://www.schroders.com/en/about-us/corporate-responsibility/sustainability/climate-progress-dashboard/carbon-var/